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Nationalgalerie Berlin 1989

Kunst als Baustelle

Die Nationalgalerie zeigt Eberhard Bosslet

Die Ausstellung hatte noch nicht begonnen, als Eberhard Bosslet gefragt wurde, was denn nach der Ausstellung mit all dem geschähe was die Nationalgalerie im Kunstforum zeige. Der seiner Zeit vorauseilende und fragende Herr bei der Vorbesichtigung für die Presse hatte offensichtlich seine Schwierigkeiten mit dem, was er im Kunstforum sah: Mit dem auf dem Parkett liegenden Kreuz aus 89 Tekko-Schalungselementen, 80 Stahlrohr-Deckenstützen, Stoßklemmen und Bolzen.

Der Künstler erklärte ihm, daß alle Elemente geliehen seien und den Baufirmen zurückgegeben würden. Ja, und wo bliebe dann die Kunst? Nun, ist das Kreuz erst einmal demontiert, dann ist das "B 3/89 II", wie Bosslet sein Raster betitelt, nurmehr Material vom Baumarkt, was es auch war, bevor es bis Mitte Mai Kunst wurde.

Die Schwierigkeiten mit Bosslets Kunststücken beginnen jedoch schon, bevor die Materialien wieder auseinander genommen werden. Bosslet stellt keine Schauobjekte in den Raum, sondern Fragen. Wer nicht aufpaßt, stolpert über seine Modul-Konstruktionen. Die bestehende Architektur wird befragt, indem sie auf ihre Ausgangssituation zurückgeführt wird, als sie noch eine "Baustelle" war, so Britta Schmitz im Katolog.

Noch eindeutiger zielt Bosslet auf Positionen einer Baustelle mit "Grundkredit", einem Stück, das innerhalb seiner Werkgruppe der "Unterstützenden Maßnahmen" entstanden ist. Die Montage in der GrundkreditBank darf getrost als ironische Bemerkung zum Ausstellungsort beläche!t werden. Bosslet schafft aus Schalttafeln, Deckenstützen und Schalungsteilen eine quadratische Anlage, die zwar unterstützend das architektonische Maß aufgreift, doch in dem Fall, in dem sie nicht genau austariert wäre, im Atrium des Kunstforums eine gewaltige Materialhalde hinterließe.

Kreuz "B 3/89 II" und "Grundkredit" wagen sich zur Substanz der Architektur vor. Beide Arbeiten verweisen die Architektur jedoch auch in ihre Grenzen. Trennt der Architekt den inneren vom äußeren raum, um eine äußere Form und einen eingeschlossenen Innenraum zu schaffen, geht es Bosslet darum, den ganzen raum einzunehmen. Ihn macht er sichtbar. Die Decke des Kunstforums hält, auch ohne die "unterstützende Maßnahme" Bosslets. Doch die Last der Decke wird erst sicht- und spürbar auf Grund der 38 Deckenstützen, die zwischen die Basis aus den Schalungselementen und den Fries aus den Schalttafeln geklemmt sind. Scheinbar tragen sie die Decke, realiter stemmen sie sich gegen sie.

Ähnliches demonstrierte Bosslet auf der documenta vor zwei Jahren. "Anmaßend I" und "Anmaßend II" standen in einem Treppenhaus des Fridericianums in Kassel lotrecht untereinander, lediglich getrennt durch die Decke der ersten Etage beziehungsweise den Boden der zweiten Etage. Was sich Bosslet anmaßt: Daß Vorhandenes und Gemachtes sich untrennbar verbinden.

Das zweite Thema, das Bosslet im Kunstforum behandelt, verweist ebenfalls auf die alltägliche Umwelt. Während die Arbeiten aus der Werkgruppe "Unterstützende Maßnahmen" unmittelbar auf das Bauen zielen, beschäftigt sich der 1953 in Speyer geborene und in Berlin und Duisburg lebende Künstler in seiner jüngsten Werkgruppe mit der Bürokratie. Aktenschränke werden zum "Sachzwang", zum "Befehl", zu "Nixdorf". Dazu zerlegt Bosslet, der in seiner Berliner Akademiezeit mit Kollegen "Material & Wirkung e. V." gründete, ordinäre Aktenschränke, um ihre einzelnen Teile hernach mit Eisenbändern neu zusammenzufügen. Ein Verweis auf die Konstruktionen, mit denen die russischen Künstler im und nach dem Ersten Weltkrieg auf die Suche nach der Wirkung von Material, Farbe und Struktur gingen, liegt nahe.

Der Umstand, daß die groben Montagen mit ihren klaren Geometrien sich in dem eleganten Rundraum des Kunstforums zu behaupten haben, akzentuiert Bosslet zusätzlich mit einem einfachen Trick mit raffinierter Wirkung: Er läßt das zentrale Licht ausgeschaltet und kreiert somit Raum für den äußeren Lichteinfall. Diese "unterstützende Maßnehme" hebt Bosslets eigene Konstruktionen in die Atmosphäre zurück der sie entstammen: In die Schatten der Arbeitswelt.

Alexandra Glanz

 

Kunsthal Rotterdam, 1993

Die Physik des Lebens

Aus der jüngeren Werkgruppe sogenannter "Hubräume" stammen Eberhard Bosslets Skulpturen "Friedland VI" und "Gegenstände II" für die Galerie der Kunsthalle Rotterdam. Das Agens dieser Arbeiten sind Hochdruck-Hebekissen, deren Hubkraft Menschen aus der Klemme hilft, wann immer schwere Lasten etwas gelupft werden müssen. Bosslet benutzt dieses Werkzeug, um die grundlegende Physik einer Skulptur zu veranschaulichen, deren Existenz immer auf einer Wechselwirkung aufgebaut ist. Denn nicht Autonomie, sondern ein gegenseitiges Geflecht von Bezügen und Abhängigkeiten bestimmen formal und inhaltlich die Kunst. Physikalisch gesehen würden die Kräfte von "Friedland VI" und "Gegenstände II" ins Leere greifen, hätten sie nicht den Raum als Kontrahenten, gegen den sie sich in diesem Falle ganz explizit stützen. Genau wie man Raum erst schafft, indem man ihn von der strukturlosen Luft abteilt und in Zellen einsperrt (Architektur), so organisiert sich eine Skulptur auch erst durch seine Kontraposition als Material im Raum.

Doch abgesehen von diesen formalen Aspekten, liefert die Auswahl des verwendeten Materials Indizien für eine andere und eigentliche Wechselbeziehung. Sinn, Bedeutung und Inhalt über die Spezialdisziplin Kunstausstellung als Selbstzweck hinaus kann man erst abschöpfen, wenn das Arrangement der Zeichen (Gummireifen, PKW-Felge, Hochdruck-Hebekissen samt Steuereinheit, eine Rolle Teppich-Auslegeware oder ein Alu-Rolltor) den Betrachter in Überlegungen verwickelt. Offensichtlich ist eine gewisse Ironie, mit der Bosslet das technoide, industrielle Zeug in die Zweckfreiheit entläßt und rigoros einer Verspannung zwischen Wände unterordnet. Die dabei geltenden Druckverhältnisse und physikalischen Prinzipien sind aber auch auf gesellschaftliche Strukturen übertragbar. Auch hier kann das autonome Subjekt nur Fiktion bleiben. Wir haben gelernt, die "Physik des Lebens" als einen Prozeß von Ursache und Wirkung zu begreifen. Bosslets Skulpturen liegt dieses Denkmodell von wechselseitigen Abhängigkeiten ebenso zugrunde, wohl wissend, daß dieses dialogische Verhältnis sich gegen Autorität richtet. Alles bedingt einander, und schält man daraus ein Modell, beispielsweise Form technoider Skulpturen, so liefert dieses Ideal seinen Gegensatz gleich mit. Druck erzeugt Gegendruck, doch wenn das Maß und die Abstimmung der Mittel nicht gewährleistet ist, dann stürzt das Gebäude zusammen. Die Gefahr ist allerdings wenig artifiziell.

Martin Bochynek

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Eberhard Bosslet Contemporary Art | contact@artrelation.de